Ängste und Depressionen bei Hunden und Katzen

26. November 2009 von Marco Glas

Wie wir Menschen leiden auch Tiere an Ängsten und Depressionen. Bleiben diese von den Besitzern unbemerkt, sind häufig Verhaltensstörungen und Traumata die Folge. Wie Sie Furcht und seelische Verletzungen bei Tieren erkennen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Seit dem Freitod von Nationaltorwart Robert Enke beschäftigt sich ganz Deutschland mit einem Thema, über das lange Zeit gar nicht oder nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wurde: Depressionen. Angeblich leiden alleine in Deutschland rund vier Millionen Menschen an psychisch bedingter Niedergeschlagenheit.

Jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann leidet an Angststörungen

Aber auch andere psychische Erkrankungen wie Angststörungen nehmen in Deutschland zu. Laut einem Bericht der Bundespsychotherapeutenkammer durchlebt jede fünfte Frau und fast jeder zehnte Mann innerhalb eines Jahres eine Angststörung. Da es vielen Betroffenen jedoch schwerfällt, darüber zu sprechen, bleiben viele Erkrankung unerkannt. Doch wir sind nicht die einzigen Lebewesen, deren Psyche aus dem Gleichgewicht geraten kann.

“Mehr und mehr Humanleiden befallen unsere Heimtiere”

Gerade erst titelte “Die Zeit” in der Wochenschau: “Der Megatrend unter Haustieren: Sie werden krank wie Herrchen und Frauchen: Zum Glück gibt es Therapien” Auch Tiere haben Figurprobleme und Ängste. Obwohl Angst von Menschen und Tieren in erster Linie als unangenehmes Gefühl wahrgenommen wird, ist ein gewisses Maß an Angst durchaus sinnvoll und von der Natur als Selbstschutz eingerichtet.

Wenn aus Angst ein Trauma wird

Erst wenn die Angstsymptome über mehrere Wochen andauern und dadurch eine psychische Beeinträchtigung vorliegt, spricht Tierpsychologe Martin Rütter von Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder einem Trauma, wie in seinem Buch “Angst bei Hunden” nachzulesen ist. Womit wir Menschen uns bei psychischen Erkrankungen häufig schwertun, bleibt Tieren gänzlich verwehrt: Sie können nicht reflektieren, was in ihrem Körper gerade vor sich geht. Viele tierische Traumata bleiben dadurch von den Besitzern unbemerkt.

Ängste und Traumata bei Tieren erkennen

Deshalb ist es für Tierhalter wichtig, die Körpersprache und das Verhalten ihrer Tiere deuten zu lernen. Ein typisches Anzeichen von Angst bei Hunden sind zum Beispiel angelegte Ohren und eine zwischen den Hinterläufen eingeklemmte Rute. Angst kann sich aber auch in Form von Schwitzen, Zittern oder Übersprungshandlungen wie übersteigertes Kratzen, Bellen oder Jaulen bemerkbar machen. Werden diese psychischen Beeinträchtigungen nicht rechtzeitig erkannt, hat das für Hunde und Halter oftmals schlimme Konsequenzen.

Wenn traumatischer Stress zu Verhaltensstörungen und körperlichen Erkrankungen führt

So können Dauertraumata chronische Beeinträchtigungen zur Folge haben, die sich verheerend auf die Gesundheit der Tiere auswirken. “Relativ häufig lecken sich Hunde die Pfoten oder andere Körperstellen wund, zupfen sich Fellbüschel aus, beknabbern sich bis hin zu blutigen Wunden, rupfen sich Krallen und Pfotenballen komplett heraus”, erklärt Martin Rütter in seinem Buch über die “Angst bei Hunden”. Aber auch für andere Hunde und Menschen wird es gefährlich, wenn Angst in Panik umschlägt und zu gesteigerter Aggression führt.

Viele Ängste und Verhaltensstörungen sind behandelbar

Zahlreiche Ängste wie die Furcht vor dem Alleinsein, Autofahren oder bestimmten Geräuschen lassen sich jedoch therapieren. Deshalb ist es ratsam, sich bei Verhaltensauffälligkeiten an einen Tierarzt oder Verhaltenstherapeuten für Tiere zu wenden. Neben klassischen Therapien wie Abschalt- oder Futtertraining und dem Einsatz von Geräusch-CDs gibt es aber auch jede Menge unkonventionelle Methoden, die Tieren die Ängste nehmen können und mehr Bindung zum Besitzer schaffen. So schwärmen zum Beispiel fast alle Hundebesitzer, die Dogdance betreiben, von einer intensiveren Beziehung, die durch das Tanztraining mit dem Hund entstehe.

Literatur zum Thema Ängste und Verhaltensstörungen bei Tieren:

  • Nicole Wilde: Der ängstliche Hund: Stress, Unsicherheiten und Angst wirkungsvoll begegnen, Kynos Verlag, 2009
  • Sarah Fisher: Anti-Stress-Programm für Hunde: Entspannter Hund durch T-Touch und Bodenarbeit, Ulmer, 2009
  • Martin Rütter: Angst bei Hunden, Franckh-Kosmos Verlag, 2008
  • Marion Brehmer: Bach-Blüten für die Hundeseele: Verhaltensstörungen und Erziehungsprobleme mit Bach-Blüten behandeln, Franckh-Kosmos Verlag, 2004

Posted in Leben, Tiere

3 Responses

  1. Astrid

    Toller Artikel, Marco.
    Gut, dass einmal jemand darauf hinweist.
    Und was Depressionen und Angsterkrankungen bei Menschen betrifft, so macht es mich wütend, wenn hier unsere “so unfehlbare” Gesellschaft noch immer von einem Stigma spricht.
    Es handelt sich um eine echte Krankheit, ausgelöst durch eine Stoffwechselstörung im Gehirn und nichts weiter.


  2. Katrin

    Sehe ich auch so. Die Menschen haben schon Generationen gebraucht, um überhaupt sich selbst zu zugestehen zum Arzt gehen “zu dürfen” – sich einzugestehen krank sein “zu dürfen” – jetzt müssen sie nur noch lernen, dass das eine ernstzunehmende Krankheit ist, für die man auch zum Arzt gehen darf.


  3. Astrid

    Nur leider wird der Lernprozess noch sehr lange, zu lange dauern, fürchte ich….


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