Lila ist zum ersten Mal beim Hundetraining
Vergangenen Samstag trafen wir uns mit Hundetrainerin Sonja Sandomeer. Seitdem wir Lila vor zwei Monaten bei uns aufgenommen haben, hat sich das kleine Mischlings-Mädchen prächtig entwickelt. Durch das geregelte Umfeld baute sie viel Selbstvertrauen auf. Trotzdem dachten wir uns, es kann nicht schaden, Lila mal einer Hundeexpertin vorzustellen. Außerdem hatten wir eine ganze Liste mit Fragen im Gepäck, auf deren Antworten wir sehr gespannt waren.
Treffpunkt Reichenbachbrücke: Kennenlernen im eigenen Revier
Wir hatten uns um drei Uhr mit Hundetrainerin Sonja Sandomeer an der Reichenbachbrücke verabredet. Sandomeers Hundeschule “DUFTMARKE” ist gleich in der Baaderstraße und somit nur einen Ballwurf von uns entfernt. Deshalb kennt die Hundetrainerin so gut wie jede Hundewiese in der Isarvorstadt, wie wir bereits vorab von einer ihrer Kundinnen erfahren hatten. Da sich bei schönem Wetter die Hunde in den Isarauen fast schon gegenseitig auf die Pfoten treten, sahen wir schon mal einen großen Vorteil darin, dass sich die Hundetrainerin im Revier auskennt.
Der Vorführeffekt: Lila macht sich auf und davon
Nach einer kurzen Begrüßung marschierten wir mit der staatlich zertifizierten Hundetrainerin und Verhaltenstherapeutin runter zu den Isarauen. Sandomeer war uns gleich sympathisch – unsere maschinengewehrartig vorgetragenen Fragen lenkte sie charmant in verständliche Bahnen. Lila nutze die angeregte Unterhaltung einstweilen, um sich auf und davon zu machen. Das hatte sie bislang in der Form noch nie gemacht, aber auf den Vorführeffekt ist eben Verlass.
Lilas zeigt sich nicht gerade von ihrer Schokoladenseite
Um weitere Zwischenfälle zu vermeiden, leinten wir Lila an. Angeleint herumstehen, während sich die Erwachsenen unterhalten, gefiel Lila allerdings erst recht nicht. Also zog sie erst mal eine kleine Show ab: Wie ein kleines, widerspenstiges Pony hüpfte sie im Kampf mit ihrem Geschirr von links nach rechts. Und um dem Ganzen mehr Nachdruck zu verleihen, zwischendurch auch mal an das nächstbeste Hosenbein. Ohne es zu wissen gab sie uns damit eine Steilvorlage. Schließlich waren es genau diese zwei Punkte, die uns besonders auf dem Herzen lagen: Wie bringen wir Lila dazu, nicht alle 200 Meter auf die Bremse zu treten und einfach stehen zu bleiben und wie gewöhnen wir ihr das Anspringen von Menschen ab.
Die selbstbewusste Lila testet ihre Grenzen und will es wissen
“Hundetraining beginnt meistens in den eigenen vier Wänden, weil sich dort die Rituale und Strukturen im Umgang mit dem Hund herausbilden, die dann für das Verhalten draussen entscheidend sind”, erklärte uns Sandomeer. Sie schätzte Lila als eine für ihr Alter recht selbstständige und selbstbewusste Hündin ein, die jetzt ihre Grenzen und Möglichkeiten ausprobiert. “Lila nutz gerade jede Chance, um sich in ihrem hündischen Selbstbewusstsein zu stärken”, führte Sandomeer weiter aus. Für uns wäre es deshalb jetzt wichtig, Lila erst Freiheiten zu geben, wenn wir in der Lage sind, ihr auch klare Grenzen zu setzen.
Wer erzieht hier wen?
Grenzen gab es für Lila zwar, seit wir sie bei uns aufgenommen haben. Bett und Sofa waren zum Beispiel von Beginn an tabu. Gleichzeitig hatte sie aber auch jede Menge Freiheiten: einen Korb im Esszimmer, ein Hundebett im Büro und für die Nacht auch noch eines im Schlafzimmer, zwischen denen sie sich je nach Lust und Laune frei bewegen konnte. Wenn unsere Süße zur Tür ging, spazierten wir mit ihr in der Annahme, sie müsse ihre Mädchenblase entleeren, wie auf Kommando mit ihr nach draußen. Erst jetzt wurde uns bewusst, dass Lila mehr uns als wir sie erzogen. In dieser Hinsicht hatten wir unser smartes kleines Hündchen einfach unterschätzt.
Wichtige Erkenntnisse und Hausaufgaben zum Üben
Mit vielen neuen Erkenntnissen und Hausaufgaben ging es dann an der Leine wieder zurück in die Reichenbachstraße. Wir achten jetzt darauf, dass uns Lila in der Wohnung nicht mehr so oft hinterherläuft. Das Hundebett im Schlafzimmer haben wir entfernt – was für sie ohnehin kein schlimmer Verlust sein dürfte, da sie zuletzt meistens in ihrem komfortablen Körbchen im Esszimmer nächtigte. Und für Draussen lautet Lilas Programm erst mal Orientierung an der Leine herstellen. Das Treffen mit unserer neuen Hundetrainerin hat sich auf jeden Fall gelohnt. Machmal muss man eben einen Schritt zurück machen, um weiter vorwärts zu kommen.
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