Hündinnen vor oder nach der ersten Läufigkeit kastrieren?
Vergangene Woche wurde Mischlings-Hündin Lila im Alter von sechs Monaten kastriert. Nachdem wir mit Tierärzten, Hundetrainern und Verhaltenstherapeuten gesprochen hatten, entschieden wir uns für eine Kastration vor der ersten Läufigkeit. Über den idealen Zeitpunkt für die Kastration eines Hundes wird in Fachkreisen, unter Hundebesitzern und in Hundeforen seit vielen Jahren sehr kontrovers diskutiert.
Inzwischen scheint zumindest unter Tierärzten weitgehend Einigkeit darüber zu herrschen, “dass die Kastration vor der ersten Läufigkeit den größten Nutzen und das geringste Risiko vereint”, sagt Lilas Tierärztin Dr. Sabine Herget.
Was spricht für eine Kastration vor der ersten Läufigkeit?
“Für eine Kastration vor der ersten Läufigkeit spricht zunächst einmal die Verhinderung einer ungewollten Trächtigkeit bzw. ungewünschter Welpen. Aus medizinischer Sicht ist zudem der Effekt auf die – in ca. 50 Prozent der Fälle – bösartigen Tumore der Milchleiste wichtig: Werden Hündinnen vor der ersten Läufigkeit kastriert , sinkt die Wahrscheinlichkeit, im Laufe ihres Lebens einen solchen Tumor zu entwickeln, gegen Null. Bei einer Kastration nach der ersten Läufigkeit liegt die Wahrscheinlichkeit bei acht Prozent. Wird die Hündin erst nach der zweiten Läufigkeit kastriert, liegt sie ebenso wie bei unkastrierten Hündinnen bereits bei 26 Prozent. Auch die Gefahr einer Gebärmutterentzündung (Endometritis), die bei unkastrierten Hündinnen leider keine Seltenheit ist, wird durch die Kastration gebannt”, erklärt Herget.
Narkose hängt von der Art und Länge des Eingriffs ab
Bei Lila dauerte die Operation ca. 30 Minuten. Narkotisiert wurde Lila zunächst mit einer intramuskulären Spritze. “Eine Narkosemedikation ist immer aus mehreren Komponenten aufgebaut. Welche Komponenten wir verwenden, hängt vom Patienten und der Art und Länge des Eingriffs ab”, sagt Herget. Nachdem die Narkose wirkte und der Schluckreflex ausfiel, wurde Lila intubiert. Dazu bekam Lila einen Gummischlauch in die Luftröhre, über den sie ein Sauerstoff- und Narkosegasgemisch einatmete.
Welche Geschlechtsorgane wurden Lila bei der Kastration entnommen?
Bei Lila wurden die Eierstöcke entfernt. Die Gebärmutter entnimmt Herget nur, wenn es aus medizinischen Gründern erforderlich ist. “Es gibt zwar noch keine verlässlichen Daten. Unser Eindruck ist allerdings, dass der weniger beeinflusste Bandapparat der nur ovarioektomierten Hündinnen (nur der Eierstock wurde entfernt) zu einem geringeren Auftreten von Inkontinenz führt”, erklärt Herget. Werden nur die Eierstöcke entnommen, ist zudem ein kleinerer Schnitt erforderlich, da die Tierärzte nur an die Stelle müssen, an der die Eierstöcke sitzen – und nicht bis zum Muttermund, wie bei Hündinnen, bei denen die Gebärmutter ebenfalls entfernt wird. Dadurch verkürzt sich wiederum die Narkosedauer.
Verstärktes Auftreten von Inkontinenz bei kastrierten Hündinnen
Herget weist aber auch darauf hin, dass es in der Folge einer Kastration bei Hündinnen zu Inkontinenz kommen kann: “Das Risiko ist bei Hündinnen über 20 Kilogramm Körpergewicht deutlicher erhöht. Außerdem tritt Inkontinenz bei bestimmten Rassen wie Boxer oder Dobermann häufiger auf.” Deshalb sollten die Vor- und Nachteile genau abgewogen werden, bevor Sie sich entscheiden, ob und zu welchem Zeitpunkt Sie Ihren Hund kastrieren lassen. In Lilas Fall hat es uns sehr geholfen, vorab mit mehreren Hundeexperten zu sprechen. Wenngleich die Entscheidung am Ende jeder Hundehalter selbst treffen muss.
Lila hat sich schnell von der Kastration erholt
Die Operation selbst hat Lila schnell weggesteckt. In den ersten Stunden nach der Kastration war sie zwar noch etwas unsicher auf den Beinen und sehr müde. Auch beim Fressen ließ sie sich deutlich mehr Zeit als sonst. Am nächsten Tag lief Lila aber schon wieder fröhlich durch die Wohnung und zwei Tage nach dem Eingriff mussten wir sie dann schon wieder bremsen – schließlich hatte ihr ihre Tierärztin wegen der Operation und der genähten Wunde eine gute Woche Schonung verordnet.
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