Lästige Darm-Parasiten: Was Sie als Hundebesitzer über Giardien wissen sollten

19. Februar 2010 von Marco Glas

Unsere fünf Monate alte Mischlings-Hündin Lila hat vergangene Woche Bekanntschaft mit Giardien gemacht. Da diese hartnäckigen Darm-Parasiten für Hunde und Hundebesitzer sehr unangenehm sein können, hat paperdogs bei Tierärztin Dr. Sabine Herget nachgefragt, wie sich die kleinen Biester am effektivsten bekämpfen lassen, welche Hunde besonders stark gefährdet sind und ob sich auch Hundehaltern anstecken können.

Pd: Was genau sind Giardien?

Sabine Herget: Giardien sind einzellige Flagellaten (Geißeltierchen), die als Darm-Parasiten im Verdauungstrakt verschiedener Säugetiere leben. Bei Hunden und Katzen sind sie neben den Spulwümern die meisten verbreiteten Endoparasiten.

Pd: Welche Folgen hat eine Infektion mit Giardien für den Hund?

Sabine Herget: Für erwachsene Tiere in den meisten Fällen gar keine. Typisch ist ein eher leichter Durchfall, der immer wieder kommt und geht. Welpen reagieren allerdings empfindlicher. Sie entwickeln einen hartnäckigen und oft übelriechenden Durchfall – häufig mit Schleim- und manchmal auch mit Blutbeimengungen. Meistens fühlen sich die Tiere dabei relativ gut, fressen und trinken normal. In schweren Verläufen kommt es aber auch zu einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens. Die Welpen sind dann matt, haben keinen Appetit oder erbrechen ihr Futter wieder.

Pd: Wann sollten Hundebesitzer bei Durchfall einen Tierarzt aufsuchen?

Sabine Herget: Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da das von mehreren Faktoren abhängt. Je jünger das Tier ist, desto heftiger sind die Symptome. Und je stärker das Befinden gestört ist, desto früher sollten sie zum Tierarzt gehen. Bei einem undramatischen Durchfall mit breiigem Kot, der in normalen Abständen abgesetzt wird, und unauffälligem Allgemeinbefinden empfehle ich nach spätestens fünf Tagen einen Tierarztbesuch zur weiteren Abklärung. Am besten bringen Sie bei dieser Gelegenheit gleich eine Kotprobe mit, um Parasiten als auslösenden Faktor schnell ausschließen zu können.

Pd: Nisten sich die Parasiten nur in den Darm oder auch in anderen Organen, wie zum Beispiel den Magen, ein?

Sabine Herget: Nein, Giardien besiedeln ausschließlich den Dünn- und den Dickdarm, andere Organe sind nicht betroffen.

Pd: Wie gelangen Giardien in den Hundedarm?

Sabine Herget: Hunde nehmen Giardienzysten (so heißen die infektiösen Stadien)  über kontaminiertes Futter oder Wasser auf. Auch eine Schmierinfektion ist möglich. Bei der typischen Hundebegrüßung – Nase an den Po des anderen Hundes – können sie sich also direkt anstecken. Ein infizierter Hund scheidet Zysten in großen Mengen (bis zu 10 Millionen Zysten pro Gramm Kot) aus und das mitunter über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Die Zysten bleiben zudem in der Umwelt mehrere Wochen bis Monate infektiös.

Pd: Sind Giardien auch durch Flöhe übertragbar?

Sabine Herget: Nein, Giardien und Flöhe haben nichts miteinander zu tun. Flöhe können zwar Bandwürmer übertragen, aber keine Giardien.

Pd: Können Hundebesitzer vorbeugend etwas gegen Giardien tun?

Sabine Herget: Eine wichtige Maßnahme gegen die Ausbreitung von Giardien ist das Aufsammeln des Hundekots. Dadurch kann zumindest die Kontaminination der Außenwelt minimiert werden. Die direkte Infektion (von Hund zu Hund) wäre nur durch Isolation zu verhindern – was wir aus vielen Gründen nicht wollen. In den USA ist ein Impfstoff gegen Giardien zugelassen, dessen Wirksamkeit sehr umstritten ist. Eine Zulassung in Deutschland ist im Moment nicht geplant.

Pd: Wie behandeln Sie einen befallenen Hund?

Sabine Herget: Wir therapieren über fünf Tage mit dem Fenbendazolpräparat ‚Panacur’, da Giardien sehr hartnäckig sein können. Nach der Behandlung machen wir einen Kontrolltest, um zu überprüfen, ob die Behandlung erfolgreich war. Sollte der Test erneut positiv sein, muss die Behandlung noch mal wiederholt werden. Viele Tierärzte empfehlen standardmäßig eine Wiederholung der Therapie nach 14 Tagen – auch das ist ein mögliches Vorgehen.

Pd: Welche Hunde sind besonders stark gefährdet?

Sabine Herget: Welpen und Hunde mit angegriffenem Immunsystem sind besonders anfällig für eine Infektion. Überall dort, wo viele Hunde zusammen treffen, wie zum Beispiel in der Hundeschule, im Tierheim und in der Hundepension, verbreiten sich Giardien besonders stark.

Pd: Gibt es eine Jahreszeit, in der Hunde besonders häufig von Giardien befallen werden?

Sabine Herget: Nicht wirklich. Im Winter halten sich die Giardien besser in der Umgebung, dafür sind die Hunde im Sommer intensiver in Kontakt. Wir beobachten deshalb eher jahreszeitlich unabhängige ‚Seuchenzüge’ – was in Anbetracht der Übertragungswege nicht erstaunlich ist.

Pd: Können Giardien auch vom Hund auf den Menschen übertragen werden?

Sabine Herget: Man geht davon aus, dass die Giardien von Hund und Mensch identisch sind. Menschen können sich also bei Hunden anstecken- und umgekehrt.

Pd: Wie können sich Hundehalter dagegen schützen?

Sabine Herget: Besonders gefährdet sind kleine Kinder und Personen mit geschwächtem Immunsystem. Besonders bei Kindern ist darauf zu achten, dass die normale Hygiene, die für Kinder noch nicht selbstverständlich ist, eingehalten wird. Hunde benutzen ihre Zunge als Toilettenpapier, dementsprechend unhygienisch ist es, sich von ihnen im Gesicht lecken zu lassen. Händewaschen nach dem Streicheln, insbesondere vor dem Essen, sollte Routine sein. Über die Entsorgung des Hundekots haben wir ja oben schon gesprochen. Falls bei einem Hundehalter – vor allem mit Giardien-positiv getestetem Hund – Übelkeit und Erbrechen mit Durchfall auftreten, sollte er sich bei seinem Hausarzt testen lassen.

Pd: Was sollten Hundehalter sonst noch über Giardien wissen?

Sabine Herget: Leider wirken die üblichen Wurmkuren nicht gegen Giardien und Kokzidien (eine andere Parasitenart des Magen-Darm-Trakts). Die Bekämpfung von Giardien ist unter anderem auch deshalb so schwierig, da viele befallene Hunde  keine Symptome zeigen. Dadurch werden sie nicht behandelt und stecken unbemerkt viele andere Hunde an.  Deshalb ist es trotz regelmäßiger Entwurmung sinnvoll, ab und zu eine Kotprobe (Sammelprobe über 3 Tage) im Labor untersuchen zu lassen.

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