Wie war das gleich noch mal mit der Rechtschreibreform?

15. Dezember 2012 von Marco Glas

Mit der Einführung der Rechtschreibreform im Jahr 1996 sollte die deutsche Sprache einfacher werden. Bis heute hat es jedoch den Anschein, als wurde seitdem alles komplizierter. Nach heftigen Protesten gegen die Rechtschreibreform kam es zu mehreren Anpassungen. Der Streit um die neue Rechtschreibung wollte allerdings nie so richtig enden. Ein Rückblick auf die Reform der deutschen Rechtschreibung von ihren Anfängen bis heute.

Die Rechtschreibreform von 1996

Am 1. Juli 1996 unterzeichneten die politischen Vertreter der deutschsprachigen Staaten und weiterer interessierter Länder in Wien eine gemeinsame Erklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. Ziel dieser Rechtschreibreform war es, die deutsche Sprache zu vereinfachen und den Erfordernissen der Zeit anzupassen. Die reformierte Orthographie sollte bis zum 1. August 1998 eingeführt werden.

Widerstand gegen die Rechtschreibreform

Hierauf folgten zahlreiche Proteste und Deutschland spaltete sich in drei große Lager: Diejenigen, die die Reform begrüßten, jene, die sie ablehnten und andere, die sie modifiziert haben wollten. Es entbrannte ein riesiger Streit um die neu Rechschreibreform. Auf der Frankfurter Buchmesse unterzeichneten 1996 rund 100 Schriftsteller und Wissenschaftler die Frankfurter Erklärung“ für einen Stopp der Reform. Trotzdem führten einige Bundesländer die reformierten Regeln bereits mit Schulbeginn 1996/97 im Unterricht ein.

Rechtschreibreform tritt 1998 in Kraft

Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Einführung der neuen Rechtschreibung per Kultusministererlass am 1. Juli 1998 für verfassungsgemäßbis erklärt hatte, trat die Rechtschreibreform am 1. August 1998 in Kraft. Damit wurde die neue Rechtschreibung auch offiziell an den Schulen und Behörden eingeführt. Bis zum 31. Juli 2005 galt allerdings eine Übergangsfrist, in der die bisherigen Schreibweisen nicht als Fehler gewertet wurden.

Proteste gegen die Rechtsschreibreform gehen weiter

Schleswig-Holstein beschloss bereits am 27. September 1998 per Volksentscheid die Wiedereinführung der herkömmlichen Rechtschreibung. Das Volksgesetz wurde dann allerdings  im September 1999 wieder vom Kieler Landtag aufgehoben. Am 1. August 2000 kehrte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) als erste große Zeitung zur konventionellen Schreibweise zurück. Auch in der Bevölkerung stieß die Rechtschreibreform nach wie vor auf breiten Widerstand.

Gründung des Rats für Deutsche Rechtschreibung

Als Reaktion auf die anhaltende Kritik an der Rechtschreibreform gründeten die Kultusminister am 17. Dezember 2004 den Rat für Deutsche Rechtschreibung. Aufgabe der zwischenstaatlichen Kommission war es zunächst, sich um die besonders umstrittenen Themen der Rechtschreibreform, wie etwa die Zusammen- und Getrenntschreibung sowie die Eindeutschung von Fremdwörtern, zu kümmern. In einem Bericht schlug die zwischenstaatliche Kommission schließlich leichte Modifizierungen des amtlichen Regelwerks von 1996 vor.

Die Rechtschreibreform steckt in der Krise

Am 1. August 2005 trat die Rechtschreibreform in 14 von 16 deutschen Bundesländern eingeschränkt in Kraft. Daraufhin erklärten der Axel Springer Verlag, Der Spiegel und die Süddeutsche Zeitung am 6. August ihre Absicht, zur traditionellen Schreibweise zurückzukehren. Es folgten erneut heftige Diskussionen um die Rechtschreibreform.

Nachdem der Rat für Deutsche Rechtschreibung die Regelungen für Getrennt- und Zusammenschreibung, Silbentrennung und Zeichensetzung erneut überarbeitete, wurden diese noch nicht verbindlich. Die Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen hielten an Übergangsregelung, die sowohl die alte als auch die neue Rechtschreibung gestattete, fest.

Einführung der reformierten Rechtschreibregeln

Im Februar 2006 legte der Rat für Deutsche Rechtschreibung erneut eine Reihe von Änderungsempfehlungen vor, die am 2./3. März von der deutschen Kultusministerkonferenz einstimmig angenommen wurden. Die neuen Regeln traten am 1. August 2006 in allen deutschen Schulen und Ämtern mit einer einjährigen Übergangsfrist in Kraft. Als am 1. August 2007 die Übergangsfrist in Deutschland endete, stellten auch fast alle deutschsprachigen Nachrichtenagenturen ihre Rechtschreibung gemäß dem gültigen amtlichen Regelwerk um.

Bis heute wenden allerdings viele Medien nicht alle Regeln der Rechtschreibreform vollständig an, sondern arbeiten nach teilweise langem Hin und Her mit eigenen Hausregeln.

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